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Mittwoch, 13.Dezember 2017
Dem Mehrwert von nachhaltigem Wirtschaften auf der Spur

23.11.2017

Dem Mehrwert von nachhaltigem Wirtschaften auf der Spur

Im Kreis Steinfurt (NRW) ist jetzt das dreijährige Forschungsprojekt Regio Trans zu Ende gegangen. In Kooperation mit dem Öko-Institut e.V und der Kommune ging man der Frage nach, inwieweit sozial-ökologische Maßnahmen bei KMUs einen Mehrwert bei der Fachkräftebindung bzw. -gewinnung darstellen und die Prosperität der Region fördern.

Von Ursula Wermelt, Kreis Steinfurt

 
 

Im Herbst 2016 wurde der Arbeitskreis „Nachhaltig Wirtschaften“ mit acht Unternehmen aus dem Kreis gegründet, die großes Interesse haben, sich systematisch mit dem Thema betrieblicher Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen. Die Teilnehmenden spiegeln eine Vielfalt von Branchen wider: von der Architektengruppe über eine Bildungseinrichtung bis hin zu produzierenden Betrieben. Nach dem Auftakt führte die unabhängige Forschungs- und Beratungseinrichtung Öko-Institut e.V. als erstes eine umfassende Analyse der bestehenden Nachhaltigkeitsaktivitäten für jedes einzelne Unternehmen durch. Danach wurden individuelle Entwicklungspotenziale in Vor-Ort-Gesprächen identifiziert und konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Aktivitäten erarbeitet.

Nach fast einem Jahr wurde nun ein Resümee zur Zusammenarbeit gezogen. Die Teilnehmenden stellten einstimmig fest, dass die Beratung neben den praktischen Tipps für die Umsetzung insbesondere dabei geholfen hat, bereits anvisierte Maßnahmen auch tatsächlich anzugehen (Bestätigung der Wichtigkeit). Dabei entwickelte sich ein Verständnis dafür, in welchen Bereichen bereits genügend und in welchen ungenügend Maßnahmen umgesetzt wurden. Cara-Sophie Scherf vom Öko-Institut e.V. bestätigt auch bisher gemachte Erfahrungen, „dass eine strategische und systematische Herangehensweise im Wesentlichen davon abhängt, ob das Thema Nachhaltigkeit von der Geschäftsführung getragen und gefördert wird.“

Teilnehmer im Arbeitskreis „Nachhaltig Wirtschaften“ war unter anderem das Textilunternehmen Hermann Biederlack GmbH + Co. KG aus Greven. Der Geschäftsführer Ralf Rensmann möchte kleine und mittlere Unternehmen motivieren, sich aktiv mit unternehmerischen Nachhaltigkeitsaspekten auseinanderzusetzen. Im folgenden Interview berichtet er von seinen Erfahrungen.

Warum sollten sich kleine und mittlere Unternehmen mit Nachhaltigkeit beschäftigen?

Ralf Rensmann: Bereits heute wird die Notwendigkeit von nachhaltigem Wirtschaften durch beispielsweise Abholzung von Tropenwäldern, Verknappung von Trinkwasser oder die teilweise rücksichtslose Zerstörung der Natur zur Rohstoffgewinnung immer deutlicher erkennbar. Zwar sind heutzutage noch ausreichend Rohstoffe vorhanden, wenn dies aber auch für zukünftige Generationen gelten soll, müssen wir heute umdenken und sehr bald weniger Rohstoffe verbrauchen.

Dabei reicht es nicht aus, dies von den großen Unternehmen zu fordern. Auch kleine und mittlere Unternehmen müssen umdenken, um schnell eine spürbare Trendwende zu erreichen. In naher Zukunft wird sich meines Erachtens zeigen, dass die physischen Vermögenswerte von Unternehmen, wie beispielsweise Gebäude und Produktionsanlagen, nur noch einen leicht austauschbaren Teil des Unternehmenswertes darstellen. Der entscheidende Teil des Unternehmenswertes wird immer stärker durch immaterielle Werte, wie Mitarbeiter Know-how, Image oder die Zusammenarbeit mit Stakeholdern geprägt werden. Viele dieser Werte rücken verstärkt ins Blickfeld, wenn das Unternehmen Nachhaltigkeit in die eigene Strategie miteinbezieht. Nur mit Nachhaltigkeit lassen sich perspektivisch gute Mitarbeiter und neue kritische Kunden gewinnen. Nachhaltigkeit wird damit zur Notwendigkeit, um wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben - auch für kleine und mittlere Unternehmen.

Ralf Rensmann, Geschäftsführer der Biederlack GmbH & Co. KG
Ralf Rensmann, Geschäftsführer der Biederlack GmbH & Co. KG

Was hat Sie bei der Analyse Ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten überrascht?

Rensmann: Oftmals steht die Umwelt- und Nachhaltigkeitsthematik bei Unternehmen unter dem Generalverdacht, vor allem Kosten zu verursachen. Wir haben jedoch festgestellt, dass Aspekte, die für uns selbstverständlich sind, bereits im Sinne von Nachhaltigkeit gelebt werden. Wir haben fast nur unbefristete Arbeitsverhältnisse, arbeiten seit Jahren konstruktiv mit unserem Betriebsrat zusammen, nutzen lokale Arbeitskräfte und Lieferanten, setzen zu signifikanten Anteilen Natur- und Recyclingfasern ein und haben einen erfolgreichen Verbesserungsprozess zur Reduzierung der Energieverbräuche implementiert. 

Dank der guten Vorschläge der Projektpartner im Arbeitskreis „Nachhaltig Wirtschaften“ konnten wir zudem auch einige kostenneutrale Verbesserungen durchführen wie z.B. den Einsatz von Recyclingpapier, die Standardeinstellung von zweiseitigem Druck oder die Einführung eines vom Bund geförderten Arbeitskreises für Gesundheit. Daneben haben wir uns natürlich über das enorme Engagement einzelner Mitarbeiter in Sachen Nachhaltigkeit gefreut.

Was ist für Sie der nächste Schritt in der Umsetzung von betrieblicher Nachhaltigkeit?

Rensmann: Zur Unterstützung unserer Nachhaltigkeitsaktivitäten wollen wir zukünftig unsere Webdecken unter anderem mit CMiA-Baumwolle anbieten. Die Initiative „Cotton Made in Africa“ wurde von der Aid by Trade Foundation ins Leben gerufen. Sie will durch Handel eine Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Die Initiative schafft einen Zusammenschluss von Textilunternehmen, die die von den Kleinbauern nachhaltig erzeugte Baumwolle kaufen. Das Programm vermittelt den Kleinbauern moderne Schulungen sowie effiziente Anbaumethoden und fördert die Schulung ihrer Kinder. Ziel ist es, die Lebensbedingungen kleiner Baumwollbauern in Subsahara-Afrika nachhaltig zu verbessern. Des Weiteren haben wir erkannt, dass es Sinn macht, unsere positiven Aktivitäten in einem Nachhaltigkeitsbericht zu erfassen. Dieser wird bis Jahresende fertig sein und dann regelmäßig alle zwei Jahre aktualisiert, um unsere stetige Weiterentwicklung für alle Stakeholder transparenter zu machen.

Im Arbeitskreis „Nachhaltig Wirtschaften“ wurde die Methode CIAM (Corporate Impact Assessment and Management) eingesetzt. Dieser methodische Weg wurde vom Öko-Institut e.V. entwickelt und richtet sich an der gesellschaftlichen Wirkung des eigenen Handelns aus – dem sogenannten „Impact“. Dies bedeutet, negative Auswirkungen auf die Gesellschaft zu vermeiden und zu verringern und positive Auswirkungen zu schaffen oder zu verstärken.

Mehr über Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Kreis Steinfurt erfahren Sie hier. Der gemeinnützige energieland2050 e.V. wurde im Frühjahr 2017 von Kreis, Kommunen und Unternehmen gegründet und versteht sich als Servicestelle für diese Zielgruppen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Themenschwerpunkts „Nachhaltiges Wirtschaften“ gefördert.

 
Quelle: UD

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