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Was Scharlatane von den Meistern der Digitalisierung unterscheidet
Sie sind in den sozialen Medien zu Hause: die Selbstdarsteller der Digitalisierung.

13.04.2018

Was Scharlatane von den Meistern der Digitalisierung unterscheidet

Worthülsen und sexy Thesen, Facebook, Twitter, WhatsApp, Outlook gleichzeitig nutzen, schnell sprechen, nicht verstanden werden (wollen), dabei die Vornamen bekannter Dax-Vorstände beiläufig fallenlassen, Vortragshonorare statt Inhalte in Interviews in den Fokus stellen und in Sneakers von Termin zu Termin reisen – das lieben die Scharlatane und Selbstdarsteller der Digitalisierung. Kein Wort - nirgends über Strategien, Prozesse und Umsetzungsprozesse.

Die seltsamen Blüten der Digitalisierung treiben nach dem anfänglichen Managertourismus ins Silicon Valley weiter – wortgewaltig ausgemalt von selbsternannten Gärtnern, die zahlreiche Luftschlösser gebaut, aber noch nie in einem Garten gearbeitet haben. Bodenständigkeit ist kein Begriff, der in ihren digitalen Prachtgarten passt, in dem sie sich nicht die Hände schmutzig machen. Es wird Zeit, das zu durchschauen und sich endlich zu bücken: Denn ganz unten, wo wirklich angepackt wird, ist es zwar nicht so bunt, schrill und laut, aber dafür nachhaltig.

Anstatt über Duzfreunde in Wirtschaft und Politik, Vortragsshows, Schlabberlook und Spielzeug in Büros mit Startup-Atmosphäre zu berichten, sollte es endlich um das wirklich Wichtige gehen, das von den echten Meistern der Digitalisierung ausgeht: Sie gehen klug und besonnen ihrer Arbeit nach und lassen auch dem Denken genug Raum, um richtig zu managen und richtige Entscheidungen zu treffen. Sie haben keine Zeit für Eigen-PR, weil ihnen die an sie gestellte Aufgabe am wichtigsten ist. Die wahren Meister werden deshalb kaum gesehen. Umso wichtiger ist es zu kommunizieren, was sich von ihnen lernen lässt, und wo sie zu finden sind.

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Digitalisierung im Mittelstand: Wie es anders geht

LautIHK-Unternehmensbarometer haben 80 Prozent der KMU zwar erste Digitalisierungsprojekte angestoßen, aber nach einer Studie der Förderbank KfW zählt nur ein Fünftel der deutschen Mittelständler wirklich zu den digitalen Pionieren. Für den Standort Deutschland wird es entscheidend sein, ob die Mittelständler rechtzeitig in der breiten Masse digitalisieren.

Der schwäbische Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader zeigt, wie es anders geht: Seit 1935 ist die Mader GmbH & Co. KG mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart rund um das Thema Druckluft ein wichtiger Partner der Industrie. Mit aktuell 80 Mitarbeitern gehört das Unternehmen zu den erfolgreichen Mittelständlern in Baden-Württemberg. Deutschlandweit deckt es als einziges Unternehmen die gesamte „Druckluftstrecke“ - von der Erzeugung der Druckluft im Kompressor über deren Aufbereitung und Verteilung bis zur Druckluftanwendung - ab. Auch Dienstleistungen wie die Analyse, Auslegung, Planung und Installation von kompletten Druckluftanlagen sowie deren Inbetriebnahme, Wartung und Reparatur gehören dazu.

Im Dezember 2014 wurde das Unternehmen mit dem Umweltpreis für Unternehmen Baden-Württemberg ausgezeichnet. Mit digitalen Services ist es dem Unternehmen möglich, neue Geschäftsmodelle und Umsatzpotenziale zu erschließen, Effizienzpotenziale transparent zu machen und somit stärker zu realisieren. Diese Vernetzung erschließt zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten – auch im Bereich Nachhaltigkeit.

Die Verbindung aus energieeffizienter Druckluft und digitalen Prozessen wird hier als Schlüssel zur erfolgreichen Erzeugung und Nutzung von Druckluft in der Zukunft gesehen. Für die energieeffizienten Dienstleistungen des Unternehmens gibt es seit Oktober 2015 die Abteilung Energieeffizienzmanagement. Im April 2016 wurde die Stelle Innovationsmanagement geschaffen, um die eigenen Bemühungen im Bereich der Digitalisierung der gesamten Druckluftkette konsequent vorantreiben zu können. Sie ist als Stabstelle direkt bei der Geschäftsführung angebunden.

Die Digitalisierung ist in vielen Unternehmen noch nicht gänzlich angekommen.
Die Digitalisierung ist in vielen Unternehmen noch nicht gänzlich angekommen.

Das Mär vom papierlosen Büro

Wer verstehen will, warum Deutschland den technologischen Anschluss verliert, muss sich nur in den Verwaltungen einiger Unternehmen und Institutionen umsehen: nach außen geben sie sich glänzend und modern, ihre Vertreter sprechen über digitale Transformation und zukunftsfähige Veränderungen, und innen ist alles trist und noch wie im 20. Jahrhundert. Es müssen teilweise sogar noch Papierrechnungen mit der Post geschickt werden, weil das System den digitalen Versand nicht akzeptiert.

Schon an solchen Kleinigkeiten ist erkennbar, wie es um einzelne Organisationen heute steht. Hier beginnt Digitalisierung. Das erkannte auch Mader: Durch den Versand von Papierrechnungen hatte das Unternehmen einen sehr hohen Verbrauch von Geschäftspapier und Briefumschlägen. Zusätzlich kam das Porto hinzu. Da durch das Steuervereinfachungsgesetz die Papierrechnung mit der elektronischen Rechnung gleichgesetzt wurde, wurde die Entscheidung getroffen, allen Kunden, die ihr Einverständnis gaben, die Rechnungen digital zu senden. Seitdem gehen ca. 70 Prozent aller Rechnungen per E-Mail raus.

2016 wurde eine digitale Dokumentenarchivierung eingeführt: Alle Dokumente, die, über das Warenwirtschaftssystem erstellt werden, werden automatisch in der Historie archiviert. Für Dokumente, die von Kunden und Lieferanten eingehen, wurde zeitgleich über die Integration von Sharepoint eine Möglichkeit geschaffen, Bestellungen, Auftragsbestätigungen etc. digital zu archivieren. Kunden und Lieferanten werden aufgefordert, möglichst keine Papierdokumente zu versenden.

Alle Dokumente, die als Fax eingehen, werden nicht mehr automatisch gedruckt, sondern an eine E-Mail-Adresse weitergeleitet, auf die alle Vertriebsmitarbeiter Zugriff haben. Das Dokument kann dann dem Warenwirtschaftssystem zugeordnet werden ohne dass ein Ausdruck notwendig ist.

So lange der digitale Mindeststandard in Deutschland nicht flächendeckend gewährleistet ist und den Meistern der Digitalisierung nicht über die Schulter geschaut, sondern lieber dem unreflektierten Wortschwall der Scharlatane gelauscht wird, müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen um die deutsche Entwicklung in Digitalien.

Weiterführende Informationen:

CSR und Digitalisierung. Der digitale Wandel als Chance und Herausforderung für Wirtschaft und Gesellschaft. Hg. von Alexandra Hildebrandt und Werner Landhäußer. SpringerGabler Verlag, Heidelberg Berlin 2017.

 
Quelle: UmweltDialog

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