16.08.2018

12.06.2018

Politik & Gesellschaft

Weltfriedenslage auf dem Tiefpunkt

Die 12. Ausgabe des jährlichen Global Peace Index (GPI) Report, der vom internationalen Thinktank Institute for Economics and Peace (IEP) erstellt wird, zeigt auf, dass die Welt, gemessen am letzten Jahrzehnt, heutzutage ein weniger friedlicher Ort ist.

Weltfriedenslage auf dem Tiefpunkt zoom

Der GPI für 2018 zeigt eine Welt, in der die Spannungen, Konflikte und Krisen, die in den letzten zehn Jahren aufgetreten sind, ungelöst bleiben, was zu einem allmählichen, nachhaltigen Rückgang des Friedensniveaus führt. Zu der Verschlechterung im letzten Jahr trugen vor allem die Eskalationen bei zwischenstaatlichen und internen bewaffneten Konflikten, wachsender politischer Terror und ein vermindertes Engagement für UN-Friedensmissionen bei. Syrien, Afghanistan, Süd-Sudan, der Irak und Somalia sind die am wenigsten friedlichen Länder, die friedfertigsten sind Island, Neuseeland, Österreich, Portugal und Dänemark.

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Der GPI ist die global führende Bemessungsgrundlage der Friedlichkeit von Ländern auf der ganzen Welt. Der Report erfasst 99,7 Prozent der Weltbevölkerung und verwendet 23 qualitative und quantitative Indikatoren aus renommierten Quellen zur Erstellung des Indexes. Diese Indikatoren sind in drei Schlüsselbereiche unterteilt: 'andauernde Konflikte', 'Sicherheit und Schutz', und 'Militarisierung'. Alle drei Bereiche haben im letzten Jahr eine Verschlechterung erfahren.

Spanien fällt zurück

Obwohl Europa seine Position als friedlichste Region der Welt beibehalten konnte, hat sich die Lage im dritten Jahr in Folge verschlechtert. Zum ersten Mal in der Geschichte des Index ist ein westeuropäisches Land mit unter den fünf stärksten Absteigern - Spanien fällt aufgrund innenpolitischer Spannungen und zunehmender Terrorismusauswirkung um zehn Plätze auf Platz 30 zurück. Im vergangenen Jahrzehnt haben sich, bedingt durch höhere politische Instabilität, wachsende Auswirkungen des Terrorismus und einer als verstärkt wahrgenommenen Kriminalität 61 Prozent der Länder in Europa rückläufig entwickelt. Auch keines der nordischen Ländern kann ein im Vergleich zu 2008 höheres Friedensniveau verzeichnen.

Steve Killelea, Gründer und Executive Chairman des IEP, erklärt: "Wir sind in den letzten zehn Jahren an vielen Fronten vorangekommen, aber die Zielsetzung von mehr Frieden in der Welt ist schwer fassbar geblieben. Unsere Untersuchungen machen dies deutlich, denn sie zeigen auf, dass es viel schwieriger ist, Frieden zu schaffen, als ihn zu zerstören. Dies erklärt zum Teil, warum die Länder, die am Ende der Liste stehen, auch weiterhin in einem andauernden Konflikt gefangen bleiben. Anhaltende Auseinandersetzungen wie die in Syrien, Jemen, Libyen und Afghanistan haben in den letzten zehn Jahren zu einer deutlichen Zunahme von Gefechtstoten, einer wachsenden Flüchtlingspopulation und Terrorismusanstieg geführt.

"Europa, die friedlichste Region, hat ebenfalls Einbußen hinnehmen müssen. 23 der 36 Länder weisen im letzten Jahr eine Verschlechterung in Bezug auf Friedfertigkeit auf, die in erster Linie das Ergebnis zunehmender politischer Spannungen und sich verschlechternder Beziehungen zwischen den Ländern ist".

Die Militärausgaben sind gesunken.

Weniger Militärausgaben

Die stärkste Verbesserung zeigte sich im letzten Jahr überraschenderweise im Anteil der Militärausgaben am BIP, der in 88 Ländern zurückging, in 44 Ländern stieg. Die durchschnittlichen Militärausgaben der Länder in Prozent des BIP setzen ihren jahrzehntelangen Abwärtstrend fort - 102 Länder geben in diesem Bereich weniger aus. Gemessen am BIP zählen drei der fünf skandinavischen Länder zu den größten Waffenexporteuren. 

Gewalt kostete die Weltwirtschaft im Jahr 2017, bezogen auf Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP) 14,8 Billionen USD. Dies entspricht 12,4 Prozent der weltweiten Wirtschaftstätigkeit (weltweites Bruttosozialprodukt) bzw. 1.988 USD pro Kopf. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Gewalt kletterten 2017 um 2 Prozent, da die Kosten für Konflikte und die Ausgaben für die innere Sicherheit gestiegen sind, wobei die größten Zuwächse bei den Sicherheitsaufwendungen in China, Russland und Südafrika zu verzeichnen waren.

Frieden bringt wirtschaftliche Vorteile

Der diesjährige Bericht stellt ferner fest, dass sehr friedliche Länder auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile gegenüber den am wenigsten friedvollen Ländern haben: Die Inflationsraten sind in Volkswirtschaften mit niedrigem Friedensniveau fast dreimal höher, die Zinssätze mehr als doppelt so hoch, die ausländischen Direktinvestitionen liegen bei knapp der Hälfte".

Killelea kommentiert: "Die langfristigen wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus friedlichen Verhältnissen ergeben, sind im diesjährigen Bericht von besonderem Interesse. Die Länder mit dem höchsten Friedensniveau haben in den letzten sechzig Jahren, im Vergleich zu den am wenigsten friedensorientierten Ländern, zusätzliche zwei Prozentpunkte BIP-Wachstum erzielt. Betrachtet man die wirtschaftlichen Vorteile, die Frieden im letzten Jahrzehnt bewirkt hat, so weisen die Länder, die sich in Bezug auf Friedfertigkeit verbessert haben, fast siebenmal höhere BIP-Wachstumsraten als die Länder auf, die sich im Index rückläufig entwickelten. Dies sind wirklich bemerkenswerte Zahlen, die den wirtschaftlichen Nutzen des Friedens unterstreichen".

Die Punktzahl der USA ging weiter zurück, was auf die zunehmende politische Instabilität zurückzuführen ist, trotz der geringeren Auswirkungen von Terrorismus und Militarisierung. Die USA reihen sich damit nun unter die sieben G20-Mitglieder ein, die sich zu den 50 am wenigsten friedlichen Ländern der Welt zählen, gemeinsam mit Mexiko, Südafrika, Saudi-Arabien, Indien, der Türkei und Russland.

Sechs der neun Weltregionen haben sich in Bezug auf das Friedensniveau verschlechtert, wobei auch die vier friedfertigsten Regionen Europa, Nordamerika, der Asien-Pazifikraum und Südamerika abgebaut haben.

Regionaler Überblick:

  • Der Nahe Osten und Nordafrika war auch im Jahr 2018 die am wenigsten friedliche Region der Welt, trotz einer leichten Verbesserung in der Punktzahl, die das Resultat von Entwicklungen im Irak und in Syrien hinsichtlich der abnehmenden Reichweite von ISIL ist. Katar hat den größten Rückgang verzeichnen müssen, da der politische und wirtschaftliche Boykott der VAE, Saudi-Arabiens, Ägyptens und Bahrains zu einer Verschlechterung der Beziehungen zu den Nachbarländern und zu politischer Instabilität geführt haben.
  • Der allgemeine Trend in Europa ist eine Konvergenz im Friedensniveau, wobei sich die friedvollsten Länder, vor allem in Westeuropa, rückläufig entwickeln, während sich Länder mit schwächeren Ergebnissen, viele davon in Osteuropa, verbessern konnten.
  • Das Friedensniveau in der Region Asien-Pazifik hat sich verschlechtert - 11 Länder sind abgestiegen, acht Länder weisen eine Verbesserung auf. Myanmar erlebte die stärkste Verschlechterung und büßte 15 Plätze ein. Australien weist aufgrund höherer Inhaftierungsraten und steigender Militarisierung den zweitstärksten Rückgang auf.
  • In Nordamerika ist das Friedensniveau in den Vereinigten Staaten zum zweiten Mal in Folge gesunken und bewegt sich nun auf dem schlechtesten Stand seit 2012. Kanada musste nach den Attacken in Quebec City und Edmonton eine Hochstufung hinsichtlich der Möglichkeit von Terroranschlägen hinnehmen.
  • Russland und Eurasien hielten sich trotz einer leichten Verschlechterung des Gesamtergebnisses auf Platz sieben. Die Ukraine, die Kirgisische Republik und Moldavien verbesserten ihre Punktzahl, während neun andere Länder sich verschlechterten. Russland wies dabei den nach Armenien zweitstärksten Rückgang auf.
  • Die größten Herausforderungen für den Frieden in Mittelamerika und der Karibik sind Kriminalität und Korruption. Die Region hat seit acht Jahren die schlechtesten Werte im Index hinsichtlich Mordrate, Gewaltkriminalität und erhöht wahrgenommener Kriminalität.
  • Südamerika hat nach wie vor mit dem Thema Gesetzlosigkeit zu kämpfen. Den stärksten Anstieg in der Region verzeichnet Argentinien, gefolgt von Brasilien und Kolumbien.
  • Die Ungleichheit in Bezug auf Frieden hat sich in Südasien im Laufe des Jahres weiter vergrößert, wobei die am wenigsten friedlichen Länder - Afghanistan and Pakistan - ihren Abwärtstrend fortsetzten, während sich die friedfertigsten - Bhutan and Sri Lanka - weiter positiv entwickelten.
  • In Subsahara-Afrika gab es in Bezug auf Frieden vier der fünf größten Verbesserungen, nämlich Gambia, Liberia, Burundi und Senegal. Das Friedensniveau in der Demokratischen Republik Kongo verschlechterte sich weiter und beeinträchtigte die Aussichten des Landes, Krisen wie die anhaltende Ebola-Epidemie zu überstehen. 
Quelle: UD/na
 

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