16.08.2018

19.01.2018

Klimawandel

„Wir haben unsere CO2-Emissionen deutlich verringert“

Klimaschutz im Unternehmen ist nur so gut wie dessen Management. Deshalb ist eine gute Klimastrategie so wichtig. Das gilt vor allem für Energieunternehmen. Die erleben seit der Energiewende eine Neuorientierung beim Thema CO2. Wir sprachen darüber mit Andreas Rörig, Senior Vice President Sustainability & HSE bei E.ON.

Umweltdialog: Das Pariser Klimaabkommen ist ein Meilenstein im internationalen Klimaschutz. Bei der COP23 im vergangenen Jahr in Bonn ging es aber eher um das „Kleingedruckte“. Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen, etwa bei den Artikel-6-Mechanismen?

Andreas Rörig: Ich persönlich hatte keine großen Erwartungen an Bonn, weil es klar war, dass dies eine Zwischenkonferenz wird, wo es – wie Sie schon sagen – um viele kleinere Detailregelungen geht. Es ging eher um die Entwicklung von Standards. Hier hat Bonn das eine oder andere an Fortschritt erzielt. Dieses Jahr in Polen steht eine wichtigere Konferenz an, um größere Schritte anzustoßen.

Dr. Andreas Rörig, Senior Vice President Sustainability & HSE bei E.ON.
Dr. Andreas Rörig, Senior Vice President Sustainability & HSE bei E.ON.

Wie sieht denn Ihre eigene Klimastrategie bei E.ON aus?

Rörig: Wir haben uns als E.ON ganz klar zum Pariser Klima-Abkommen bekannt. Auch wir haben die internationalen Klimaverhandlungen beobachtet und haben einige der Erkenntnisse in unsere langfristigen Geschäftsüberlegungen einfließen lassen. So haben wir uns ja auch unter anderem zu einem spin-off in zwei Gesellschaften entschieden. E.ONs neues Geschäftsmodell ist letztendlich dem Klimawandel wohl gesonnen und beruht auf drei Säulen: Erstens sind wir natürlich ein großer Player im Erneuerbaren Energien-Geschäft. Hier setzen wir auf den weiteren Ausbau der Kapazitäten. Zusätzlich gehen wir in das Betreiben und Warten der Anlagen rein.

Das zweite große Geschäftsfeld sind die Stromnetze. Wir sind in einigen Märkten Europas im Verteilnetzbereich aktiv, die den Strom wirklich zum Kunden bringen. Auch hier spielen erneuerbare Energien und damit auch wiederum Klimaziele eine große Rolle. Hier gilt es, neue Plattformen zu entwickeln, digitaler und agiler zu werden, um möglichst viel erneuerbaren Strom, der produziert wird, auch für unsere Kunden verfügbar zu machen.

Die dritte Säule sind die eigentlichen Endkunden. Wir verkaufen nicht nur Strom, sondern auch zunehmend Energieprodukte wie etwa PV-und Speicheranlagen. All das trägt letztendlich zur CO2-Vermeidung durch unser Geschäftsmodell bei.

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CO2-Vermeidung ist ein gutes Stichwort. Die Ziele - etwa x Prozent Einsparungen oder vollständige Dekarbonisierung - sind politisch von außen vorgegeben. Wie schaffen sie es, eine solche politische Logik in unternehmerische Abläufe zu übertragen?

Rörig: Wenn wir mit unseren Kunden wie etwa den Städten und Gemeinden reden, dann wird das Thema Klimaschutz intensiv und regelmäßig diskutiert und das erwarten die Kunden auch von uns. Die Städte haben natürlich auch das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden, und so schauen wir, was wir als E.ON tun können, damit unsere Kunden dieses Ziel gemeinsam mit uns erreichen.

Und will E.ON selbst auch klimaneutral werden?

Rörig: Wir haben in diesem Jahr eine neue Klimastrategie verabschiedet. Unser Ziel ist es, bis 2050 klimaneutral zu werden. Aber das wird eine sehr große Hausaufgabe, weil das nicht allein in unserer eigenen Macht liegt. Seit dem spin-off 2016 haben wir in der Energie- und Wärmeproduktion einen um rund 90 Prozent niedrigeren CO2-Fußabdruck. Unsere direkten Scope 1 Emissionen sind im Vergleich zur alten E.ON nahezu marginal geworden.

E.ONs Unternehmenszentrale in Essen.
E.ONs Unternehmenszentrale in Essen.

Genauso sieht es auch bei den Scope 2 Emissionen aus. Heute besteht der Hauptteil unseres CO2-Fußabdrucks aus Scope 3, den indirekten Emissionen aus der Beschaffung und Nutzung von Strom und Gas. Das Ziel unseres Klimamanagements ist es zwar, den Kunden zunehmend mehr Grünstrom zu verkaufen. Aber wir sind dennoch weiterhin Gaseinkäufer und -verkäufer. Hier wird man abwarten, wohin der Markt sich bewegt. Es gibt verschiedene Energieszenarien. Die einen sagen, in 2050 spielt Erdgas gar keine Rolle mehr, weil andere Technologien das abdecken können. Andere Szenarien wiederum prognostizieren stabilen bis sogar steigenden Erdgasanteil. Wenn dem so wäre, dann können wir 2050 aus Sicht der heutigen GHG Standard-Protokollen nicht klimaneutral sein, weil Gas immer einen hohen CO2-Fußabdruck hat.

Mit welchem Szenario arbeiten Sie?

Rörig: Unser Referenzszenario ist das EUCO30-Szenario der EU Kommission. Hierauf haben wir unser Klimamanagement und unsere Klimastrategie ausgerichtet.

Wie sehr hat sich das Klimamanagement durch die Aufteilung der Gesellschaften verändert?

Rörig: Zum Beispiel haben bei Scope 1 heute Dinge eine hohe Materialität, die vor ein paar Jahren noch unwichtig waren. Damals gab es noch die großen Kraftwerke, die Kohle- und Gasblöcke, und kleine, weit verstreute KWK-Anlagen waren nicht relevant. Heute ist es genau umgekehrt: Wir haben jetzt ein sehr kleinteiliges Geschäft und so mussten wir erst einmal ermitteln, was unsere materiellen Assets in Bezug auf CO2 sind und wie wir an diese Daten herankommen.

Welche konkreten Maßnahmen und Prozesse ergreifen Sie bei E.ON?

Rörig: Der wichtigste Beitrag ist unser Geschäftsmodel an sich. Hierauf entfällt auch der größte Teil des CO2-Fußabdrucks. Darüber hinaus verursachen wir durch unsere Gebäude und durch unsere Fahrzeugflotte weitere Emissionen. Hier tun wir einiges: So sind wir zum Beispiel seit einigen Jahren in Deutschland nach ISO 50.001 zertifiziert, und wir beteiligen uns an der Initiative mission E. Dabei haben wir uns vorgenommen, in unseren eigenen Gebäuden jährlich zwei Prozent weniger Energie zu verbrauchen. Außerdem arbeiten wir gerade an einer neuen Dienstwagen-Regelung. Logischerweise sollen mittelfristig unsere eigenen Dienstfahrzeuge auf E-Mobilität umgestellt werden.

Eine Frau hält die Banderrole Klima-Ziel

Was genau ist die mission E?

Rörig: mission E ist eine Energieeffizienzkampagne der Energieagentur NRW zur Motivation von Beschäftigten. Wir haben hierzu bei E.ON in Deutschland Kampagnen mit Videos, Plakaten, Informationsmaterialien, Aktionen und so weiter entwickelt, damit unsere Mitarbeiter am Arbeitsplatz, aber auch zu Hause ermuntert werden, Energie einzusparen. Intern ist das Ziel gesteckt, jährlich zwei Prozent des Energieverbrauch zu reduzieren.

Wie werden die gesammelten Nachhaltigkeitsergebnisse kommuniziert? In einem gemeinsamen, integrierten oder separaten Bericht?

Rörig: Wir werden separat berichten. So gesehen gibt es in diesem Jahr dann drei Berichte - den Geschäftsbericht, den Nachhaltigkeitsbericht und die nichtfinanzielle Erklärung. Wir haben gerade unter anderem ein neues IT-Tool zur Nachhaltigkeitsdatenerfassung eingeführt, das erst vor wenigen Wochen gestartet ist. Da gibt es natürlich immer ein gewisses Risiko, ob alles so läuft wie geplant. Das ist der Grund, warum wir in diesem Jahr drei separate Berichte erstellen. So können wir das Risiko von Fristverletzungen minimieren.

Geschäfts- wie Nachhaltigkeitsberichte wenden sich an alle Stakeholder, aber vor allem auch an die Eigner, die Shareholder. Wie werden Ihre Bemühungen dort aufgenommen?

Rörig: Wir sehen hier in den letzten Jahren schon eine stetige Entwicklung. Auch bei den UN-Klimakonferenzen steht das Thema Investoren und Finanzwelt sehr stark im Fokus. Ohne die Finanzwelt geht es nicht. Auch wir kriegen das über unsere Investor Relations oder Finanzkollegen mit, die berichten, dass immer stärker auf Nachhaltigkeits- und Klimafragen geschaut wird und Investoren sehr genau nachfragen, wie E.ON Klimamanagement betreibt. Ich persönlich glaube, dass wir hier in den nächsten zwei bis fünf Jahren noch mal massiv steigende Anforderungen, auch und gerade von Investorenseite, sehen werden.

Wobei E.ON wegen seiner Atomkraftbeteiligung über die Tochter Preussen Elektra ja für nachhaltige Investoren tabu ist ...

Rörig: Das kommt darauf an, nach welchem Ansatz bewertet wird – beispielsweise ob Best in Class Ansatz oder Ausschlussverfahren. Doch selbst bei Ausschlussverfahren kann die Höhe des als kritisch gesehenen Umsatzanteils noch eine entscheidende Rolle bei der Portfolio-Entscheidung spielen. Stellt die generelle Atomkraftbeteiligung ein Ausschlusskriterium dar, beispielsweise bei kirchlichen Anlegern, ist es jedoch ein K.O.-Kriterium. Aber mit dem Abschalten und Rückbau der Nuklearkraftwerke in den kommenden Jahren wird sich das sicher beim einen oder anderen ändern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle: UmweltDialog
 

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