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Donnerstag, 23.Februar 2017
Woran erkennt man tierfreundlicher produziertes Fleisch?

27.01.2017

Woran erkennt man tierfreundlicher produziertes Fleisch?

Das von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt im Vorfeld der Grünen Woche angekündigte „staatliche Tierwohllabel“ für Fleischprodukte wird vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) als unzureichend kritisiert. Schmidt setzte erneut auf Freiwilligkeit, obwohl bisherige Versuche zur freiwilligen Kennzeichnung der Tierhaltungsform wie die sogenannte „Tierwohl-Initiative“ nicht zu den gewünschten Erfolgen geführt hätten.

„Nur eine verbindliche staatliche Haltungskennzeichnung entspricht dem Wunsch der Verbraucher nach einer klaren Kennzeichnung von Lebensmitteln. Wer kein Fleisch aus Massentierhaltung kaufen will, muss eindeutig erkennen können, wie die Tiere gehalten wurden“, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

„Entscheiden die Produzenten selbst, ob sie auf Fleischprodukten Schmidts Label einsetzen oder nicht, wird es weiterhin keine verbindliche Kennzeichnung geben. Minister Schmidt hat inzwischen zugeben müssen, dass mehr als vier Fünftel der Verbraucher kein oder nur geringes Vertrauen in die Bilder auf den Fleischverpackungen haben. An einem Verbot irreführender Werbung und an einer verpflichtenden staatlichen Kennzeichnung für Fleisch und andere tierische Lebensmittel führt aus unserer Sicht kein Weg vorbei“, sagte Weiger.

Der BUND-Vorsitzende verwies auf die Erfahrungen mit der verpflichtenden Kennzeichnung von Eiern. „Die Kennzeichnung von Eiern ist ein Erfolg. Seit Start der Kennzeichnungspflicht werden fast nur noch Eier aus artgerechterer Haltung gekauft. Eier von Hühnern aus Käfighaltung wurden fast vollständig vom Markt verdrängt. Das zeigt, dass sich bei einer klaren Kennzeichnung viele Menschen bewusst für mehr Tierschutz entscheiden“, sagte Weiger.

Nach dem Vorbild der Eierkennzeichnung wäre auch bei Fleischprodukten die Einführung der bereits bekannten Einstufung von Null bis Drei zu empfehlen. Dies würde Verbraucher in die Lage versetzen, Fleischprodukte aus weniger artgerechter Haltung zu meiden und stattdessen Ware auszuwählen, bei deren Produktion strengere Umwelt- und Tierschutzstandards gelten würden. „Eine wachsende Nachfrage nach umwelt- und tiergerecht hergestellten Fleischprodukten ist ein wichtiger Hebel beim Umbau der Tierhaltung“, sagte der BUND-Vorsitzende.

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Starke verbindliche Standards

Die Tierschutzorganisationen Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Bundesverband Tierschutz, Bund gegen Missbrauch der Tiere, Prohvieh, Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz und die Welttierschutzgesellschaft begrüßen die Absicht des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL), ein staatliches Tierwohllabel einzuführen. Gleichzeitig fordern sie das Bundesministerium auf, ein glaubwürdiges Label durchzusetzen, das Haltungsbedingungen deutlich über dem gesetzlichen Mindeststandard normiert. Nur so könne eine wirkliche Verbesserung für die Nutztiere in Deutschland erreicht werden. Mittelfristig fordern die Tierschützer eine obligatorische EU-Kennzeichnungspflicht für alle tierischen Produkte, analog zu der bekannten 0 - 1 - 2 - 3 Kennzeichnung von Eiern. Damit könnten sich Konsumenten beim Einkauf tatsächlich bewusst für oder gegen ein Haltungssystem entscheiden.

Denise Schmidt, Kampagnenleiterin von Vier Pfoten: "Mit der Einführung eines starken Tierwohllabels kann Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt sein Versprechen umsetzen, Deutschland zum Trendsetter in Sachen Tierschutz zu machen. Voraussetzung dafür sind starke verbindliche Standards, die auch tatsächlich mehr Tierwohl in die Ställe bringen."

Zusammengefasst erwarten die Tierschutzorganisationen, dass

  1. die Kriterien eines staatlichen Tierwohllabels deutlich über nationalem und europäischem Recht liegen,
  2. die ausgewählten Kriterien zu einem messbar höheren Tierschutzniveau führen,
  3. ein staatliches Tierwohllabel nur an Betriebe vergeben wird, die alle Pflichtkriterien unmittelbar erfüllen.
 
Quelle: UD/pm

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