17.07.2018

04.04.2018

Arbeitsbedingungen

Schmetterling im Bau

Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit sind Schwerpunktthemen der neuen Bundesregierung. Damit greift sie eine Diskussion auf, die von den anderen Sozialpartnern bereits intensiv geführt wird. Zu Recht: die anstehenden Veränderungen sind gewaltig. Wie eine Firma sich dem offensiv stellen kann, zeigt das Beispiel Schaeffler: Beweglicher, schneller und mutiger werde man in der Zukunft, heißt es am Stammsitz in Herzogenaurach.

Schmetterling im Bau
Sind Roboter Segen oder Gefahr für die moderne Arbeitswelt?

Eines ist bei allen Szenarien zur Zukunft der Arbeit gewiss: Die Arbeit selbst geht uns nicht aus. Die Frage ist nur: Wer erledigt sie künftig? Menschen? Maschinen? Oder beide gemeinsam? Gerade beim Roboter in der„Fabrik der Zukunft“ überkommen viele Ängste. Zu Unrecht, findet Dr. Martin Eisenhut, Zentraleuropa-Chef bei A.T. Kearney. Für ihn ergeben sich drei zentrale Eigenschaften der Fabrik der Zukunft, die vor allem Arbeitnehmern wie Arbeitgebern Chancen bieten:

1. „Digitale Fertigungsprozesse werden verbunden, automatisiert und flexibel“, sagt Eisenhut gegenüber dem Fachportal Produktion. Heißt: Vernetzung und – vielleicht eines Tages – künstliche Intelligenz verbessern und reduzieren Ausfallzeiten und Wartungen. Virtuelle Räume und die Kopplung von 3-D und Robotern erlaubt Mitarbeitern ganz neue Formen der Planung, Entwicklung und Optimierung von Produktionsprozessen und Materialflüssen.

2. Mensch und Maschine muss man sich deshalb weniger als Konkurrenten, sondern eher als Partner vorstellen. Eisenhut: „Augmented Reality und Wearables verändern die Art und Weise, wie Angestellte in der Fabrikhalle Dinge zusammenbauen oder Entscheidungen treffen.“

3. Struktur, Aufbau und Alltag in der Fabrik der Zukunft unterscheiden sich fundamental vom Bisherigen. Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Modularität und Anpassungsfähigkeit sind betriebswirtschaftliche Stichworte. Für die Mitarbeiter bedeutet es, arbeiten in neuen, flexiblen Teams, Eigenverantwortung und Standorte, die eher smarte Architekturen besitzen als lange, graue Büroflure.

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„Agenda 4 plus One“

Was bei Eisenhut zunächst noch abstrakt klingt, wird beim global tätigen Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler derzeit genau so Realität. Die vor zwei Jahren gestartete Konzernstrategie „Agenda 4 plus One“ beinhaltet neben den zu erwartenden Maßnahmen zur „langfristigen Wettbewerbsfähigkeit und Wertsteigerung“ einige sehr spannende, CSR-getriebene Elemente zu E-Mobilität und Industrie 4.0.

Ziel der „Agenda 4 plus One“ ist es, den Wert der Schaeffler Gruppe nachhaltig zu steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Mit der Agenda sollen bis 2022 rund 300 Millionen Euro Ergebnisverbesserung erreicht werden. Zugleich wird Schaeffler im Zusammenhang mit der „Agenda 4 plus One“ rund eine Milliarde Euro investieren. Soweit die nackten Zahlen.

Mit der Maschine 4.0 beschreitet Schaeffler einen durchgängigen Weg in Richtung einer digitalisierten Produktion. Die erhobenen Daten werden sowohl lokal als auch in einer Schaeffler-Cloud ausgewertet, um die Ergebnisse wieder zurück an die verschiedensten Stellen vor Ort zu leiten.

Fabrik der Zukunft entsteht in China

Klaus Rosenfeld, Vorsitzender des Vorstands der Schaeffler AG, sagt: „Die ,Agenda 4 plus One‘ ist unser Zukunftsprogramm. Wir wollen so beweglicher, schneller und mutiger werden.“ Wie das umgesetzt wird, zeigt das Beispiel China: Im Rahmen der Initiative „Factory for tomorrow“ wird im chinesischen Xiangtan auf rund 315.000 Quadratmetern eine Fabrik der Zukunft gebaut, die modernsten Anforderungen entspricht. Schaefflers Zukunft im Reich der Mitte hat dabei die Form eines Schmetterlings: Die vier Hallen bilden die Flügel, während die Gebäude im Zentrum den Körper darstellen, in dem sich unter anderem die Verwaltungsbereiche befinden werden. Jeder, ob nun Vorstand oder Fließbandarbeiter, betritt gemeinsam das Gebäude durch den Hauptakt. Das soll verbinden. Bei der Konzeption hat man zudem auch Feng-Shui- Berater eingebunden, um lokale Kultur von Anfang an einzubeziehen.

„Vorgaben haben wir viele. Die vielleicht Wichtigste: Menschen zusammenbringen“, sagt Andreas Fuchs, der im Architekturbüro Henn die chinesische Fabrik mit plant. Neben einer hohen Bau- und Energieeffizienz wurde bei der Gestaltung der Fabrik auf eine größtmögliche Tageslichtnutzung zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit Wert gelegt. Die Fabrik wurde daher so konzipiert, dass die Mitarbeiter von jedem Punkt aus nach außen sehen können.

Eine Agenda-Initiative sowohl zur Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit als auch der Attraktivität als Arbeitgeber ist die Umsetzung des multifunktionalen Bürokonzeptes „New Work“. Die Gestaltung der Büros der Zukunft steigert die interne Kommunikation und schafft für Mitarbeiter eine moderne, innovative und attraktive Arbeitsumgebung. Dabei wird dank hoher Beteiligung der Mitarbeiter bei Design, Konzeption und Umsetzung die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich gesteigert. Gleichzeitig spart das Unternehmen – je nach Anwendungsfall – über ein Viertel der Büroflächen. Erfolgreich umgesetzt ist „New Work“ bereits am Standort Erlangen, weitere Projekte sind gestartet und in Planung.

Die Schaeffler-Zentrale in Herzogenaurach, Deutschland

Smarte Anordnungen steigern Produktivität

Doch nicht nur der Wohlfühlfaktor, auch die Produktivität bleiben im Blick. Beim künftigen Werk in China etwa, erlaubt ein standardisiertes Versorgungsraster es, Maschinen schnell und unkompliziert ans Netz zu nehmen. Durch die Schmetterlings-Anordnung bleibt die Produktion in engem Austausch mit allen unterstützenden produktionsnahen Bereichen bis hin zu den Bereichen Finanzen, HR und Einkauf. Auf diese Weise wird die interne Kommunikation verbessert. Der Produktionsbereich ist modular aufgebaut, verfügt über Standardmaße und kann so jederzeit an das Strom-, Wasser- und Datennetz angeschlossen werden. So können neue Module für Produktionslinien und Produktportfolios leicht hinzugefügt werden. „Durch dieses Plug and Produce können auch bestehende Maschinen nach dem Tetris-Prinzip in neue Umgebungen verschoben und eingepasst werden“, heißt es dazu bei Schaeffler.

Der stete Datenfluss schließlich sorgt dafür, dass die Fabrik selbstständig lernt: In der Praxis merken sich die Computer vor Ort im Laufe der Zeit, wie viel Material tatsächlich verbraucht wird und so kann passgenau nachbestellt werden. Auch Fehler im Produktionsprozess werden schneller aufgedeckt. Etwa, wenn die Sollzahlen der Maschinen von den Ist-Zahlen abweichen. Die Prozesse werden dann genau angepasst.

Augmented Reality wiederum kommt bei Datenbrillen immer gezielter zum Einsatz, um Konstrukteuren wie auch Arbeitern wortwörtlich den Horizont zu erweitern. Dazu gehört unter anderem die Verknüpfung der realen und der digitalen Welt sowie die Schaffung „digitaler Zwillinge“ als Voraussetzung für Innovationen und datenbasierte Geschäftsmodelle.

Quelle: UmweltDialog
 

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