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Miriam Kehl, Associate Director von Green Alley, Gründerförderer für Start-ups aus der Kreislaufwirtschaft.

06.04.2017

Wie Start-ups die Circular Economy voranbringen

Wir reden viel über das Klima, die Klimaerwärmung, den Natur- und Umweltschutz, Ressourcenverschwendung und –einsparung. Doch wie konsequent sind wir in unserer Einstellung wirklich? Auf dem Weg zur Arbeit, der „eine“ Coffee-to-go-Becher; im Kühlschrank die fertig abgepackte Wurst; das neueste Smartphone, das man seinen Freunden gleich in der ersten Woche zeigen kann; das Auto, das mit Sprit fährt, weil die E-Stationen dann doch noch nicht so ausgebaut sind, wie es in unser Lebenskonzept passt bzw. das Fahrrad, das aufgrund des verregneten Tages doch im Schuppen stehen bleibt. Die Art und Weise, wie wir wirtschaften und konsumieren, wird unserem Ruf nach Nachhaltigkeit selten gerecht.

Von Miriam Kehl, Associate Director von Green Alley, Gründerförderer für Start-ups aus der Kreislaufwirtschaft

Die Idee der Kreislaufwirtschaft beziehungsweise Circular Economy fängt mit der Erkenntnis an, dass wir in einer Welt endlicher Ressourcen leben. Also muss Gebrauchtes umgewandelt und möglichst wiederverwertet werden, um eine effizientere Nutzung von Ressourcen zu versprechen. Eine Kreislaufwirtschaft lässt sich allerdings nicht einfach auf das herkömmliche Recycling reduzieren. Sie erfordert nämlich vielmehr: Zum Beispiel, dass der kreislauffähige Einsatz von Rohstoffen bereits beim Produktdesign berücksichtigt wird. Im Grunde lassen sich dabei drei zentrale Ansätze unterscheiden: Erstens ist die Materialwahl zentral. Materialien sollten sich für einen Wiedereinsatz ohne Qualitätsverlust eignen; zweitens, die Nutzungsdauer der Produkte sollte verlängert werden, etwa durch ein intelligentes Produktdesign, das Reparatur ermöglicht. Und drittens, die Energieeffizienz sollte gesteigert werden. Die Produktion und Nutzung der Produkte soll so energieeffizient sein wie möglich.

Es ist sehr schwer, von etablierten Unternehmen zu verlangen, von heute auf morgen ihre Produktionsprozesse umzustellen. Viele haben sich bereits in dem linearen Wirtschaftssystem eingerichtet. Und sie haben Angst, dass eine Umstellung viel Geld kostet. Dass diese Angst nicht zwingend ist, hat die Beratungsfirma McKinsey bereits im Jahr 2013 festgehalten. Gemäß McKinsey dürfte der Übergang von einer Wegwerfwirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft für die Europäische Union (EU) sogar Kosten sparen. Somit hat McKinsey aufgezeigt, dass durch die Umsetzung der Prinzipien der Kreislaufwirtschaft die Ressourceneffizienz gesteigert und die Materialkosten der Produktion in der EU um 10 bis 25 Prozent gesenkt werden können.

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Start-ups setzen Impulse für eine neue Wirtschaft

Fatal wäre es jedoch, darauf zu warten bis die etablierte Industrie die Notwendigkeit zu Handeln erkannt hat. Vielmehr gehen neue Impulse von jungen Gründern aus, die Circular Economy nicht nur als nachhaltiges Betätigungsfeld entdeckt, sondern auch als eines mit großem wirtschaftlichem Potential. Seit 2013 schreiben wir den Green Alley Award aus, Europas Gründerpreis für Start-ups aus der Kreislaufwirtschaft. Im letzten Jahr erhielten wir knapp 200 Bewerbungen aus mehr als 50 Ländern. Diese hohe Resonanz zeigt, dass das Thema bei den Gründern längst angekommen ist. Unsere Finalisten kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Sie revolutionieren unser Wirtschaftssystem mit Ideen für eine nachhaltigere Baubranche, gegen Lebensmittelverschwendung und sogar gegen Luftverschmutzung.

Green City Solutions, Gewinner des Green Alley Awards 2016, hat eine freistehende Wand entwickelt, die an beiden Seiten mit Moosen bewachsen ist. Diese Moose schlucken Feinstaub und wandeln ihn in Biomasse um. Die Wand unter dem Namen „City Tree“ absorbiert 240 Tonnen CO2 Äquivalente – so viel wie knapp 300 „normale“ Bäume. Adaptavate, Gewinner des Green Alley Awards 2015, hat das „Breathaboard“ entwickelt, eine 100 Prozent recycelbare Wandverkleidung, die zu größten Teilen aus Abfällen der Landwirtschaft hergestellt ist. Damit stellt das „Breathaboard“ eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Wandverkleidungen dar, die aus Gips hergestellt und damit schwer recycelbar sind. Das finnische Start-up RePack, Gewinner des Green Alley Awards 2014, hat eine Versandtasche entwickelt, die bis zu 20 Mal wiederverwendet werden kann. Der Käufer zahlt beim Online-Shopping eine Art Pfand für die wiederverwendbare Versandtasche RePack. Sobald er seine Ware erhalten hat, wirft er die RePack-Tasche in den Briefkasten ein und erhält einen Gutschein für den nächsten Einkauf.

Green City Solutions, Adaptavate, RePack – diese Start-ups und viele weitere tragen heute schon zum Aufbau einer Circular Economy bei. Kommt zu diesen Ideen dann auch der Wille etablierter Unternehmern hinzu, das alte Wirtschaften zu überdenken, könnte es bald den Begriff „Abfall“ gar nicht mehr geben. Dann würde sich alles im Kreislauf befinden. Vor uns liegt sicherlich noch ein gutes Stück Arbeit. Doch die Start-ups, die sich jährlich beim Green Alley Award bewerben, zeigen, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Letztendlich tragen auch wir alle eine große Verantwortung. Wir müssen selbst ressourcenschonender handeln und – wo Alternativen angeboten werden – diese auch nutzen.

Green Alley fördert mit einem eigenen Award junge Gründer und Start-ups, die mit ihren Ideen zu einer Circular Economy beitragen. Die Bewerbung ist ab dem 25. April online möglich.

 
Quelle: UmweltDialog

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