16.08.2018

01.02.2018

Produkte

Nachhaltigkeitspionier Interface will Klimawandel zurückdrehen

Das US-Unternehmen Interface plant bis 2020 nicht nur vollständig nachhaltig zu sein – sondern den Klimawandel mit seinen Produkten sogar ein Stück weit zurückzudrehen. Dafür entwickelt der Hersteller von modularen Bodenbelägen eine erste Teppichfliese mit negativem CO2-Fußabdruck.

Nachhaltigkeitspionier Interface will Klimawandel zurückdrehen
Die Bodenbeläge von Interface sollen künftig den CO2-Fußabdruck reduzieren.

„Proof Positive“ lautet der Produktname des Prototyps. Er sei das Ergebnis „20-jähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit, mit dem Ziel, geschlossene Produktkreisläufe zu schaffen“, so John Bradford, Chief Science and Technical Officer bei Interface. Das Besondere an der Konzeptfliese: Sie speichert mehr CO2, als während ihrer Herstellung in die Atmosphäre abgegeben wird. Möglich macht das ein neues, auf pflanzlichem Kohlenstoff basierendes Material, das am Ende des Produktionsprozesses eine negative CO2-Bilanz aufweist. Interface beziffert sie auf minus zwei Kilogramm je produziertem Quadratmeter.

CO2 auf die Erde zurückholen – zum Beispiel mit Teppichfliesen

Der Prototyp, so Bradford, sei „ein Meilenstein“. Produkte wie dieses, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens, hätten im Zusammenspiel mit weiteren dieser Art auch aus anderen Industrien das Zeug, „auf lange Sicht maßgeblich dazu beitragen, die globale Erderwärmung rückgängig zu machen“. Bradford sieht in der Konzeptfliese den Beweis, dass es möglich sei, „CO2 auf die Erde zurückzuholen, indem wir es in unseren Produkten binden“. Wann der Prototyp marktreif ist, lässt das Unternehmen offen.

Den Sprung in die Läden geschafft hat dagegen schon ein neuer Rücken für modulare Bodenbeläge, den Interface unter dem Namen „CiruitBac Green“ vertreibt. Er besteht den Angaben zufolge aus Bio-Kunst- und Mineralfüllstoffen und soll im Produktionsprozess lediglich 2,3 Kilogramm CO2 pro Quadratmeter verursachen. Beim einem vergleichbaren Interface-Produkt mit herkömmlichen Rücken soll der Wert dagegen bei 5,9 Kilogramm liegen. „CircuitBac Green“, sagt Interface-Top-Manager Nigel Stansfield, sei der nächste Schritt hin zu „einem vollkommen CO2-negativen Bodenbelag“.

Mit beiden Produkten unterfüttert der US-Konzern seine weiterentwickelte Klimaschutzstrategie, die er Ende vergangenen Jahres unter dem Titel „Climate Take Back-Mission“ vorgestellt hat. Sie gründet auf der ursprünglichen Vision des Firmengründers Ray Anderson, der sich bereits Mitte der 1990er Jahre zu nachhaltigem Handeln bekannte und das Ziel ausgab, bis zum Jahr 2020 alle negativen Auswirkungen von Interface-Produkten auf die Umwelt zu vermeiden. Die Bilanz seitdem lässt sich sehen: So konnte Interface seit 1996 seine CO2-Emissionen pro produzierter Einheit um 95 Prozent senken, den Verbrauch von Wasser pro produzierter Einheit um 86 Prozent.

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„Wir werden wirtschaftlich erfolgreich sein, sehr erfolgreich!“

Mit der „Climate Take Back-Mission“ hat der Konzern nun seine Ziele für die Zukunft formuliert – in vier knackigen Leitsätzen: „Live Zero“ steht für den Plan, als Unternehmen nur das zu nutzen, was sich auch ersetzen lässt; „Love Carbon“ für die Absicht, Kohlenstoff als Ressource und Grundbaustein für neue Produkte zu nutzen; „Let Nature Cool“ für das Ziel, die Natur in Produkten stärker nachzuahmen, um ihre Leistungsfähigkeit zur Abkühlung der Atmosphäre wiederherzustellen. Außerdem will man neue Geschäftsmodelle erdenken, die Veränderung vorantreiben und zur Inspiration taugen („Lead Industrial Re-revolution“).

Das klingt alles sehr ambitioniert, ist aber nicht unglaubwürdig, wirft man einen Blick auf die Firmengeschichte. Der 2011 verstorbene Interface-Gründer Ray Anderson war von der Vision beseelt, sein Unternehmen aus der Abhängigkeit von petrochemischen Rohstoffen zu führen und in das weltweit erste vollkommen nachhaltige Unternehmen zu verwandeln. „Wir tun Gutes und werden dabei wirtschaftlich erfolgreich sein, sehr erfolgreich“, wird er auf Website des Unternehmens zitiert. Investoren scheinen das ähnlich zu sehen: An der US-amerikanischen Börse NASDAQ legte der Wert in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als ein Drittel zu.

Um die Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz und in der Lebenswelt zu steigern, setzt Interface gezielt Biophilic Design bei seinen Kunden in der Praxis ein.

„Sustainability Leaders“: seit zwanzig Jahren vorne dabei

Dass Interface mit seinen Ambitionen ernst zu nehmen ist, bescheinigen ihm auch große, auf Nachhaltigkeit spezialisierte Ratingagenturen. Der 2017 zum 20. Mal erschienene „Sustainability Leaders Report“ von GlobeScan und SustainAbility führt das Unternehmen seit seiner ersten Ausgabe unter den Top Vier-Unternehmen in Sachen Zukunftsfähigkeit. „Interface“, so Eric Whan, Direktor von GlobeScan, sei „dahingehend einzigartig, dass es sein ganz eigenes Konzept entwickelt hat, um die Branche und Nachhaltigkeit in der Praxis voranzutreiben”. Im vergangenen Jahr erreichten lediglich der Mischkonzern Unilever und der Outdoor-Ausrüster Patagonia bessere Platzierungen in dem Ranking.

Gewürdigt wurde der US-Konzern nicht nur für seine Klimaschutzambitionen oder seine Bestrebungen, die eigene Produktion auf Kreislaufwirtschaft umzustellen. Seit Jahren unterstützt der Konzern auch Menschen in den Küstenregionen von Entwicklungsländern dabei, ausrangierte Fischernetze aus Nylon zu sammeln und zu verkaufen. Nach Angaben des Unternehmens konnten im Zuge dieses „Net-Work-Programms“ seit 2012 immerhin 142 Tonnen alter Fischernetze aufgesammelt werden. Rund 1.500 Familien hätten davon bislang finanziell profitiert. 2017 wurde der Konzern dafür mit einer Auszeichnung bei den britischen National Recycling Awards belohnt.

Platin für deutschen Firmensitz

Über eine weitere Nachhaltigkeitsauszeichnung konnte der US-Konzern sich zuletzt auch für seinen im Herbst 2016 bezogenen Firmensitz in Deutschland freuen. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) honorierte die Krefelder Zentrale mit ihrem neuen Zertifikat für nachhaltige Innenräume – und das in der höchsten Auszeichnungsstufe „Platin“. Der Firmensitz, so die unabhängige Auditorin Daniela Merkenich, sei ein „sehr gelungenes Beispiel für nachhaltiges Bauen“. 16 Kriterien nahm sie unter die Lupe, unter anderem die Energieeffizienz des Gebäudes und die Nutzerfreundlichkeit des Innenraumes. Gefliest wird er wohl mit „grünen“ Bodenbelägen sein.

Quelle: UD/cp
 

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