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29.06.2017

Zukunftsstudie zeigt: Deutsche besinnen sich auf Traditionen

Die Deutschen sehnen sich nach traditionellen Werten wie Heimat und Familie, lehnen aber gleichzeitig autoritäre Konzepte zu Kontrolle, Ordnung und Sicherheit ab. Das zeigt die erste Universalstudie zur Werteentwicklung in Deutschland, "Values & Visions 2030".

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Die Gesellschaft für Innovative Marktforschung (GIM) hat dafür in einer Kombination aus Experteninterviews und Bürgerbefragung ermittelt, wie sich globale Megatrends in den kommenden zehn bis 15 Jahren auf den Wertekanon der Deutschen auswirken.

Landschaft der gesellschaftlichen Werte

Das Ergebnis ist eine Landkarte der gesellschaftlichen Werte. Im Nordwesten liegen die Sehnsuchtsfelder: Werte, die stark erwünscht sind, aber nach Einschätzung der Befragten in Zukunft nicht an Bedeutung gewinnen. Den Gegenpol dazu bilden im Südosten Wertvorstellungen, die voraussichtlich wichtiger werden, vor denen man sich aber eher fürchtet.

Im Südwesten der Karte sind Werte angesiedelt, die statisch sind und das auch bleiben sollen, weil sie unerwünscht sind. Ganz anders die Hoffnungsträger im Nordosten: Von diesen wünschen sich die Bürger, dass sie an Bedeutung zunehmen, und erwarten das auch.

Der wichtigste Hoffnungswert für die Zukunft heißt "Verantwortung", die größte Besorgnis löst die "Geborgenheit im Digitalen" als Ausdruck der alles durchdringenden Digitalisierung aus. Inseln der Sehnsucht sind "Tradition und Heimat", "menschliche Nähe" sowie "Gerechtigkeit und Solidarität", während der Komplex "Sicherheit und Kontrolle" weitgehende Ablehnung erfährt.

Die Landkarte zeigt die erwartete Entwicklung der gesellschaftlichen Werte der Deutschen  und wie sie diese Entwicklungen bewerten. zoom
Die Landkarte zeigt die erwartete Entwicklung der gesellschaftlichen Werte der Deutschen und wie sie diese Entwicklungen bewerten.

Deutliche Ablehnung obrigkeitsstaatlicher Konzepte

Die starke Hinwendung zu klassischen Konzepten wie Tradition und Heimat, Freiheit und persönliche Nähe stellt nach Ansicht der Forscher eine Reaktion auf die zunehmende Digitalisierung und Fragmentierung der Gesellschaft und des eigenen Lebens dar, die als Bedrohung wahrgenommen werden.

So erzielt der Wunsch, die klassische Familie solle an Bedeutung gewinnen, eine überdurchschnittliche Zustimmung von 73 Punkten auf einer Skala von 1 bis 100. Ähnlich stark ist der Wunsch nach einer Rückbesinnung auf die Heimat. Gleichzeitig wird obrigkeitsstaatlichen Tendenzen deutlich widersprochen. Die These beispielsweise, man müsse im Tausch für mehr Sicherheit auf Freiheiten verzichten, erzielte die niedrigsten Zustimmungswerte überhaupt.

"Zugespitzt kann man sagen: Die Rückbesinnung auf traditionelle Werte ist nicht reaktionär, sie verbindet sich im Gegenteil mit einem starken Wunsch nach Freiheit und Gerechtigkeit", sagt Dr. Björn Huber, Research Manager bei der GIM. "Das widerspricht deutlich der Wahrnehmung, die insbesondere in politischen Debatten vorherrscht."

 
Quelle: UD/na

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