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17.05.2017

Meeresatlas 2017 zeigt beispiellosen Druck auf die Ozeane

Die Weltmeere stehen unter zunehmenden Druck und verändern sich rapide: Sie sind überfischt, verschmutzt und vermüllt, sie heizen sich auf und versauern, die Artenvielfalt nimmt ab – und zugleich verstärken sich die Auswirkungen dieser Prozesse gegenseitig. Das zeigt der jetzt vorgestellte „Meeresatlas 2017“, der Daten und Fakten über unseren Umgang mit dem Ozean präsentiert. Die Herausgeber haben in 18 Beiträgen die wichtigsten Dimensionen zur Wechselwirkung zwischen den Menschen, dem Ozean und seiner Küsten zusammengetragen. Gemeinsam fordern sie ein Umdenken und ein umfassendes internationales Kontroll- und Schutzsystem für die Ozeane.

Das Cover des Meeresatlas 2017.

Die Meere der Erde kommen durch zunehmende menschliche Eingriffe unter Druck und das dort lebende Ökosystem wandelt sich zum Teil rapide. Mit ihrer Fähigkeit, bis zu 27 Prozent des ausgestoßenen CO2 und zugleich 93 Prozent der globalen Erderwärmung aufzunehmen, dämpfen die Ozeane die menschengemachte Klimaerwärmung. Mittlerweile lässt sich die Erwärmung sogar in der Tiefsee dokumentieren, und das extra aufgenommene CO2 lässt die Meere versauern. Das hat messbare Folgen: Die Abnahme des pH-Werts (Versauerung) in einzelnen, besonders produktiven Ozeanregionen übertraf 2017 bereits die Prognose für den globalen Ozean im Jahr 2100. Hier kann die fortschreitende Versauerung schon in kürzester Zeit tiefgreifende Auswirkungen auf die Nahrungsketten haben.

Zudem sind 58 Prozent der globalen Fischbestände maximal genutzt, 31 Prozent sind sogar überfischt und bei nur 10 Prozent ist noch Luft nach oben. Manche Bestände von Speisefischen wie Schwertfisch, Hai oder Kabeljau sind bereits um bis zu 90 Prozent geschrumpft. Einzelne Tiergruppen wie Wale, Seeschildkröten oder viele Rifffische sind bedroht oder stehen vor dem Aussterben. Zugleich hat sich bei fast gleichbleibendem Wildfischfang der Konsum von Fisch aus Aquakulturen in knapp 30 Jahren mehr als vervierfacht. Heute kommt jeder zweite Speisefisch aus der Aquakultur – und verschärft in der Regel das Problem: Zuchtfische in Aquakultur verbrauchen bis zu 20 Kilogramm Wildfisch pro Kilogramm Eigengewicht.

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Der Meeresatlas 2017

Der Meeresatlas bietet auf 50 Seiten und in rund 80 Grafiken Daten, Fakten und Zusammenhänge über unseren Umgang mit dem Ozean. Der Meeresatlas wird kostenlos ausgegeben und auf Anfrage Bildungseinrichtungen als Unterrichtsmaterial klassensatzweise zur Verfügung gestellt. Neben der deutschen Fassung ist die Ausgabe auch in englischer Sprache erhältlich. Der Meeresatlas 2017 wird herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung, der Kieler Forschungsverbund Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ und der Monatszeitung für internationale Politik, Le Monde Diplomatique. 

Hier können Sie den Meeresatlas 2017 downloaden.

Es liegt in unserer Hand

Martin Visbeck, Sprecher des Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft“ sagte bei der Vorstellung des Meeresatlas: „Der Ozean als entscheidender Klimaregulierer der Erde verändert sich durch den menschengemachten Klimawandel merkbar. Er wird wärmer, der Meeresspiegel steigt und die CO2-Aufnahme der Meere führt zur Versauerung - dazu kommt der Verlust an gelöstem Sauerstoff. Die Summe der Stressoren trägt zur Beeinträchtigung der Lebensgrundlage für Fische und andere Meeresbewohner bei. Die Erwärmung und der Schmelzwassereintrag wird zu Strömungsveränderungen führen, die das weltweite Klima beeinflussen: Überschreiten wir dabei Kipppunkte kann sich das regionale Klima unwiederbringlich verändern – mit deutlichen Folgen für die Küsten und Lebensräume der Meeresökosysteme und Menschen.

Die gute Nachricht ist: Es liegt in unserer Hand, katastrophale Entwicklungen zu verhindern. Zum ersten Mal erhalten mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel (SDG) 14 explizit der Ozean und darin vor allem die verantwortungsvolle Nutzung der Meeresressourcen eine Stimme auf der weltweiten Agenda zur Entwicklung für mehr Nachhaltigkeit. Hier setzt unsere Forschung in Kiel ein, wir wollen mit wissensbasierten Lösungsansätzen dazu beitragen, gesunde Meeres- und Küstenökosysteme zu erhalten.“

Tiefseebergbau und Verschmutzung durch Plastik eindämmen

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, sagte: „Die Ozeane gehören zu den am wenigsten global geschützten Ökosystemen und verantwortungsvoll verwalteten Gebieten der Erde. Das ist angesichts der Bedeutung der Meere für das Klima, unsere Ernährung und die Artenvielfalt verantwortungslos.

Statt wirksamen Schutz des „gemeinsamen Erbes der Menschheit“ treiben die Staaten ihre maritimen Hoheits- und Nutzungsgebiete weiter ins Meer hinein. Die größten Eingriffe drohen nun durch Tiefseebergbau. Die Rohstoffgewinnung am Meeresgrund zerstört das fragile Ökosystem dort auf Dauer, ohne dass wir die Auswirkungen dieser Zerstörung auf das komplexe Gesamtsystem Meer und somit auch Klima und Land auch nur im Ansatz begreifen würden. Auch die Bundesrepublik hat im Zentralpazifik Explorationslizenzen für ein Gebiet von 85.000 Quadratkilometern Tiefseeboden – das ist ein Viertel der Fläche Deutschlands.

Die allerdringlichsten Schritte sind jetzt: Ein globales Moratorium für Rohstoffgewinnung und Tiefseebergbau, bis potentielle Folgen und notwendige Grenzen geklärt sind. Außerdem ist eine internationale Plastikkonvention unerlässlich, die umfassend auf Vermeidung an Land setzt und den Eintrag von Plastikmüll ins Meer verhindert. Hier müssen die reichsten Industrie- und Schwellenländer, die die Hauptverantwortung für den schlechten Zustand der Meere tragen, endlich politische Weichen für einen wirklichen Meeresschutz stellen.“

 
Quelle: UD/pm

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