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Kurz erklärt: Was ist das EU-Omnibus-Vereinfachungspaket?

Das Omnibus-Vereinfachungspaket der Europäischen Union (EU) hat das Ziel, zentrale rechtliche Rahmenwerke im Bereich der Nachhaltigkeitsberichterstattung zu überarbeiten. Zu den betroffenen Richtlinien gehören die EU-Taxonomie, die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) sowie die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Diese Reformen könnten weitreichende Auswirkungen auf Unternehmen innerhalb und außerhalb der EU haben und die Art und Weise, wie Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsmaßnahmen berichten, grundlegend verändern.

26.02.2025

Kurz erklärt: Was ist das EU-Omnibus-Vereinfachungspaket?

Die Nachhaltigkeitsstrategie der EU basiert auf dem Green Deal, der darauf abzielt, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen. In diesem Rahmen wurden mehrere legislative Maßnahmen eingeführt, die Unternehmen in die Pflicht nehmen, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen.

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Zu den wichtigsten regulatorischen Instrumenten gehören:

  • EU-Taxonomie (seit 2020): Ein Klassifizierungssystem zur Identifikation nachhaltiger wirtschaftlicher Aktivitäten, das Investoren und Unternehmen Orientierung gibt.
  • Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, in Kraft seit 2023): Verpflichtet Unternehmen zur umfassenden Offenlegung ihrer Treibhausgasemissionen und ihrer ESG-Leistungen (Environmental, Social, Governance).
  • Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD, verabschiedet 2024): Legt Sorgfaltspflichten für Unternehmen fest und verankert rechtliche Verantwortlichkeiten für die Nachhaltigkeit von Lieferketten.

Mit diesen Maßnahmen beabsichtigt die EU, Unternehmen zu mehr Transparenz und Nachhaltigkeit zu verpflichten.

Geplante Änderungen im Rahmen des Omnibus-Vereinfachungspakets

Die geplanten Änderungen könnten die derzeit bestehenden Berichtspflichten erheblich beeinflussen. Hier sind die wesentlichen Anpassungen im Detail:

1. Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)

  • Die Berichtspflichten für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie für nicht-europäische Unternehmen sollen um mindestens ein Jahr verschoben werden.
  • Die Schwellenwerte für Berichtspflichten könnten angehoben werden, sodass weniger Unternehmen betroffen sind.
  • Die branchenspezifischen Berichtsstandards könnten gestrichen werden, insbesondere für Unternehmen, die nicht in stark umweltrelevanten Sektoren tätig sind.
  • Es besteht die Möglichkeit, dass die Verpflichtung zur Offenlegung von Scope-3-Emissionen (indirekte Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette) entfällt oder gelockert wird.

2. Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD)

  • Eine zweijährige Verzögerung der Einführung ist wahrscheinlich.
  • Die Regelungen zur rechtlichen Haftung von Unternehmen im Hinblick auf Verstöße gegen Nachhaltigkeitsstandards könnten gelockert oder in einigen Fällen sogar aufgehoben werden.

Diese Anpassungen sollen Unternehmen entlasten und die administrativen Kosten reduzieren. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen, die befürchten, dass diese Reformen die ursprünglichen Ziele der Nachhaltigkeitsagenda der EU untergraben könnten.

Omnibus Änderungen

Zentrale Überlegungen und globale Auswirkungen

Die Vorschläge des Omnibus-Pakets könnten nicht nur die Regulierung innerhalb der EU beeinflussen, sondern auch weltweit Auswirkungen haben. Besonders in den USA wächst der Widerstand gegen verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung. Eine Lockerung der EU-Standards könnte dazu führen, dass sich der globale Trend zu strengeren Nachhaltigkeitsvorschriften verlangsamt.

Gleichzeitig gibt es in der Wirtschaft zunehmende Bedenken, dass zu viele regulatorische Änderungen Unsicherheit schaffen und Investoren verunsichern könnten. Eine unklare oder fragmentierte Gesetzgebung könnte dazu führen, dass Unternehmen sich verstärkt auf kurzfristige Compliance-Maßnahmen konzentrieren, anstatt nachhaltige Strategien langfristig zu verankern.

Die globale ESG-Agenda (Environmental, Social, Governance) könnte durch zu viele Anpassungen und mögliche Widersprüche in den Vorschriften geschwächt werden. Dadurch könnten Unternehmen, die sich bereits an strenge Nachhaltigkeitsrichtlinien gehalten haben, Nachteile gegenüber Wettbewerbern haben, die weniger ambitionierte Maßnahmen ergreifen.

Fazit: Die Bedeutung des Omnibus-Pakets für die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Es ist absehbar, dass die geplanten Änderungen weitreichende Konsequenzen für Unternehmen, Investoren und die gesamte Nachhaltigkeitsagenda haben könnten. Sollten die Vorschläge in ihrer aktuellen Form umgesetzt werden, besteht die Gefahr, dass die EU ihre globale Vorreiterrolle in der ESG-Compliance verliert. Dies könnte nicht nur regulatorische Lücken schaffen, sondern auch das Vertrauen von Investoren und Finanzinstituten in europäische Unternehmen beeinträchtigen.

Zudem könnte sich der Zugang zu nachhaltiger Finanzierung erschweren, da viele Investoren verstärkt auf strikte ESG-Kriterien achten. Eine Vereinfachung der Vorschriften könnte möglicherweise als Rückschritt wahrgenommen werden, insbesondere von Akteuren, die bereits erhebliche Investitionen in die Einhaltung der bestehenden Vorschriften getätigt haben.

Die Balance zwischen einer Vereinfachung der Nachhaltigkeitsberichterstattung und der Aufrechterhaltung strenger Umwelt- und Sozialstandards wird entscheidend sein. Unternehmen sollten sich aktiv mit den geplanten Änderungen auseinandersetzen, um sicherzustellen, dass ihre Nachhaltigkeitsstrategien weiterhin den gesetzlichen Anforderungen entsprechen und gleichzeitig langfristig wettbewerbsfähig bleiben.

Quelle: UD
 

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