SCHOTT berechnet PCF nach neuem Leitfaden
Der Product Carbon Footprint (PCF) ist wichtiger Bestandteil unternehmerischer Klimastrategien. SCHOTT ist hier ein Novum in der Spezialglasindustrie gelungen: Jüngst hat der Hersteller von Spezialglas einen standardisierten Leitfaden zur Berechnung der PCFs erstellt. Davon profitieren nicht nur das Unternehmen selbst, sondern auch die Kundinnen und Kunden sowie die gesamte Branche.
31.03.2025

Wer wissen möchte, wie groß der eigene CO2-Fußabdruck im Alltag ist, kann das heutzutage über verschiedene Websites (zum Beispiel mit dem CO2-Rechner vom Umweltbundesamt) ganz gut rausfinden. Für Unternehmen ist das etwas komplizierter. Sie brauchen, um den CO2-Fußabdruck ihrer Geschäftstätigkeit konkret berechnen zu können, nämlich eine ganze Menge Daten. „Der ‚Corporate Carbon Footprint‘ erfasst alle Emissionen, die durch die Tätigkeit eines Unternehmens innerhalb eines Jahres erzeugt werden“, erklärt die DFGE – Institut für Energie, Ökologie und Ökonomie. Eine solche Bilanz umfasse mindestens die Emissionen aus Scope 1 und Scope 2, also beispielsweise den CO2-Ausstoß durch die eingekaufte Energie sowie den Ausstoß der eigenen Fahrzeuge und Anlagen. Zu einer vollständigen Bilanzierung gehörten aber auch die vor- und nachgelagerten Emissionen aus Scope 3. Darunter fällt beispielsweise der CO2-Ausstoß, der durch Dienstreisen oder Pendeln entsteht und die Emissionen von Roh- und Betriebsstoffen. Aber auch eingekaufte oder verkaufte Produkte und Materialien müssen bilanziert werden.
Solche Emissionsangaben sind für viele Betriebe mittlerweile sehr wichtig, nicht zuletzt auch aufgrund aktueller gesetzlicher Vorgaben, wie der CSRD. „Eine CO2-Bilanz des Unternehmens oder einzelner Produkte wird von Kundenseite immer häufiger nachgefragt und spielt teilweise sogar bei der Auftragsvergabe eine Rolle“, meint die DFGE.
SCHOTT: Pionierarbeit für eine nachhaltigere Glasindustrie
Für die Spezialglasindustrie hat hier SCHOTT jüngst Pionierarbeit geleistet. Die Ingenieurinnen und Ingenieure des Technologiekonzerns entwickelten vor Kurzem einen unternehmensweiten Leitfaden für die Berechnung der eigenen Product Carbon Footprints (PCF). Die Guideline entspricht den Anforderungen der ISO 14067, des GHG Protocol Product Standard sowie der TfS Product Carbon Footprint Guideline und wurde durch die GUTcert GmbH verifiziert. „Dank unseres zertifizierten PCF-Leitfadens können wir jetzt verlässliche CO2-Daten für erste Produkte ermitteln und mit unseren Kunden Scope 3 Emissionen verlässlich dimensionieren“, erklärt Marius Amschler, Produktmanager und Nachhaltigkeitsexperte der Business Unit Tubing von SCHOTT. „Das hilft uns und unseren Kunden, CO2-ärmere Produkte zu entwickeln und gesetzte Dekarbonisierungsziele zu erreichen. Wir tragen damit zum Aufbau nachhaltigerer, transparenter Wertschöpfungsketten bei und bringen unsere Klimastrategie einen wichtigen Schritt nach vorn.“
Und nicht nur das: Der Leitfaden kann außerdem die Klimaneutralität in der Spezialglasbranche voranbringen. Denn die muss dringend nachhaltiger werden. Der Schmelzvorgang bei der Herstellung von Glas benötigt Höchsttemperaturen von fast 1.700 Grad Celsius. Das erfordert eine Menge Energie und sorgt für einen hohen CO2-Ausstoß. Pro Jahr verursacht die Glasherstellung etwa vier Millionen Tonnen direkte CO2-Emissionen in Deutschland, informiert der Bundesverband Glasindustrie in einem Infoblatt. Ein Viertel davon falle auf die Rohstoffe. Die Glasindustrie hat sich daher vorgenommen, bis 2045 klimaneutral zu sein. Schaffen will sie das unter anderem durch alternative Energieträger, wie Grünstrom und Wasserstoff, und neue Technologien, darunter zum Beispiel die CO2-Abscheidung sowie effizientere Schmelzwannen. Das Wissen um den konkreten PCF ist ein weiterer wichtiger Baustein für mehr Nachhaltigkeit. „Hier wollen wir gerne mit weiteren Akteuren in den Austausch gehen, um gemeinsam nachhaltige Standards in unserer Industrie voranzutreiben“, meint Anja Schlosser, die das PCF-Expertenteam von SCHOTT koordiniert.
Ein Leitfaden, viele Produkte, viele Emissionswerte
Die Entwicklung des Leitfadens war, angesichts der vielen verschiedenen Spezialgläser, eine komplexe Aufgabe. Das Team musste nicht nur vielfältige Herstellungsprozesse berücksichtigen, sondern auch die Emissionswerte für die jeweiligen Rohstoffe und Komponenten der Vorlieferanten ermitteln. Daher arbeiteten Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachabteilungen, aus allen Business Units sowie aus Schnittstellen aus Einkauf und Entwicklung gemeinsam an der Guideline. Nachhaltigkeitsspezialistinnen und -spezialisten der Unternehmensberatung sustainable AG unterstützen das interdisziplinäre Team.
Der PCF-Leitfaden von SCHOTT ist standardisiert. Mit der einheitlichen und transparenten Berechnungsmethode kann das Unternehmen die CO2-Werte der unterschiedlichen Spezialgläser, Glaskeramiken und anderer Produkte berechnen. Dabei werden die Emissionen von den Rohstoffen über Transport und Herstellung bis hin zum Werkstor berücksichtigt (Cradle-to-Gate). Einen Überblick über wesentliche Inhalte des Leitfadens gibt SCHOTT in einer Executive Summary. So bewertet der Spezialglashersteller zum Beispiel die Emissionen von Rohstoffen, Komponenten und Verpackungen mittels Emissionsfaktoren von Lieferanten oder anerkannten Datenbanken. Und bei der Produktionsenergie werden auch Vorkettenemissionen mitgedacht.
Gemeinsam nachhaltiger
Für erste Produkte hat SCHOTT bereits den PCF berechnet. Weitere sollen folgen. Aufgrund der Komplexität geht das Unternehmen hier Schritt für Schritt vor. Erste Geschäftsbereiche ermitteln für weitere ausgewählte Produke nach dem Leitfaden die CO2-Werte. Die Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden erfolgt dann aus jedem Geschäftsbereich nach einem individuellen Zeitplan. Ohnehin ist eine enge Zusammenarbeit wichtiger Teil des Prozesses: „Wir stehen hier bereits mit verschiedenen Kunden im Austausch, die hohes Interesse an medizinischen Glasverpackungen mit einem PCF-Wert bekundet haben. Gemeinsam können wir hier an Lösungen arbeiten“, sagt Amschler.