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Studie: REDD+ als Instrument für nachhaltiges Waldmanagement?

28.02.2017

Studie: REDD+ als Instrument für nachhaltiges Waldmanagement?

Ein effektiver Waldschutz ist für die Erreichung der weltweiten Klimaziele und die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5°C von großer Bedeutung. Um den Waldschutz zu verbessern, wurde in den internationalen Klimaverhandlungen das Instrument REDD+ ins Leben gerufen. Doch die neu erschienene SÜDWIND-Studie zeigt, dass eine praktische Umsetzung von REDD+ bis heute mit Schwierigkeiten behaftet ist. Hauptverursacher für die Entwaldung ist die intensive industrielle Landwirtschaft, die in Teilen auch für den Export nach Deutschland produziert. Sie lässt sich über REDD+ jedoch kaum in den Waldschutz einbinden.

Wälder werden als die „Lungen der Welt“ bezeichnet, weil sie das klimaschädliche Kohlendioxid „einatmen“ und den lebensnotwendigen Sauerstoff „ausatmen“. Aber der Waldverlust und damit die Zerstörung eines wichtigen Ökosystems ist vor allem in den Tropen noch immer besorgniserregend. Mit Hilfe von REDD+ sollen Entwicklungsländer daher einen Anreiz bekommen, durch verbesserten Waldschutz und vermiedene Entwaldung einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Die Abkürzung REDD+ steht für „Reducing Emissions from Deforestation and Forest Degradation“ (Verringerung von Emissionen aus Entwaldung und Waldschädigung) und ist der Versuch einer offiziellen Antwort auf den weiter voranschreitenden Waldverlust. Die Idee dahinter ist zunächst einmal simpel: Entwicklungsländer schützen ihre Wälder besser und vermeiden Abholzung und damit den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2). Können sie nachweisen, dass sie ihren Wald erfolgreich geschützt haben, erhalten sie von den Industrienationen Geld für jede Tonne reduziertes CO2. REDD+ ist also vor allem ein Kompensationsmechanismus, der den finanziellen Anreiz für den Schutz der Wälder und deren finanzielles Gewicht in wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen erhöhen soll.

Doch vor allem in der Frage der Finanzierung liegt einer der größten Streitpunkte. Gegenwärtig werden REDD+-Maßnahmen überwiegend aus öffentlichen Töpfen der Entwicklungszusammenarbeit finanziert. Geplant ist jedoch die Finanzierung über Emissionszertifikate für den internationalen Kohlenstoffmarkt. Unternehmen könnten dann REDD+-Zertifikate erwerben, um ihre eigenen Emissionen zu kompensieren. „Das ist hoch umstritten. Viele kritisieren allein schon die Tatsache, dass bestimmte Dienstleistungen der Natur – in diesem Fall die Speicherung von CO2 – mit einem Geldwert bemessen und gehandelt werden“, meint Irene Knoke, eine der Autoren der Studie. „Für einen effizienten Klimaschutz wäre es aber vor allem auch wichtig, dass hier bei uns viel stärker in saubere Technologien gesetzt wird. Wenn Unternehmen allzu leicht ihre Emissionen aus fossilen Brennstoffen über Waldschutzprojekte kompensieren können, kann das den raschen Wandel hin zu emissionsarmen Technologien erschweren. Ob der Wald aber in 50 Jahren noch steht, ist keineswegs gesichert.“

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Einschränkung der indigenen Bevölkerung

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Frage, wie die in den Waldgebieten lebenden, oft indigenen Gemeinden einbezogen werden sollen. Trotz vereinbarter Schutzklauseln werden sie oft in ihren Rechten zur Nutzung der Wälder eingeschränkt. „Das liegt auch in dem stark von oben greifendem Ansatz begründet, der allein der Logik von Emissionsreduktionen folgt“, sagt Pedro Morazán, weiterer Autor der Studie. „Für einen effektiven Waldschutz sind die dort lebenden Gemeinden von zentraler Bedeutung. Sie leben oft schon seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur, und sind vielerorts selbst bedroht. Ein stärkerer rechtebasierter Ansatz für diese traditionellen Gemeinden könnte dem Waldschutz viel mehr dienen“, so Morazán weiter.

Bedroht sind lokale Bevölkerungsgruppen insbesondere durch den Vormarsch der industriellen Landwirtschaft. Sie ist und bleibt der größte Treiber von Abholzung und Entwaldung. Der Erfolg von REDD+ wird sich letztlich auch daran messen lassen müssen, ob das Instrument in der Lage ist, die größten Treiber der Entwaldung in die Schranken zu weisen. Danach sieht es im Moment nicht aus.

 
Quelle: UD/pm

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