21.11.2018

08.11.2018

Klimawandel

Europäer glauben an Klimawandel, sind aber nicht beunruhigt

Nach einer Umfrage der City University of London geht ein Großteil der Europäer davon aus, dass der Klimawandel schwerwiegende Folgen haben wird. Dennoch zeigt die gleiche Befragung, dass viele Menschen ihre eigene Verantwortung für die Bekämpfung des Klimawandels gering einschätzen und Bemühungen von Einzelnen für nicht sehr wirksam halten.

Europäer glauben an Klimawandel, sind aber nicht beunruhigt

Eine deutliche Mehrheit der in jedem Land befragten Personen glaubt, dass das Klima sich ändert, dass dieses Phänomen teilweise auf menschliche Tätigkeiten zurückzuführen ist und dass die Konsequenzen dieser Klimastörung eindeutig negativ sein werden. Dabei gibt nur etwas mehr als ein Viertel der befragten Europäer (28  Prozent) an, dass der Klimawandel sie sehr oder extrem beunruhigt. Am stärksten beunruhigt sind die Portugiesen (51 Prozent) und die Spanier (48 Prozent), während sich die Russen (14 Prozent), die Polen (15 Prozent) und die Esten (15 Prozeent) die wenigsten Sorgen machen.

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Die Deutschen stellen die am drittstärksten beunruhigte Gruppe dar (43 Prozent); auch die Franzosen (34 Prozent) und die Italiener (30 Prozent) sind besorgter als der europäische Durchschnitt. Die Franzosen sind am stärksten davon überzeugt, dass der Klimawandel real ist: 96 Prozent der Teilnehmer an der Befragung geben an, dass das Klima wahrscheinlich oder zweifellos im Wandel begriffen ist. Dieser Anteil beträgt in Italien und Deutschland 95 Prozent.

"Laut unseren letzten Daten sind sich die Menschen ganz eindeutig einig, dass ein Klimawandel im Gange ist - dies beweist, dass die Zeit des Leugnens vorbei ist. Viele weigern sich jedoch nach wie vor, Wissenschaftlern zu glauben, wenn diese einstimmig verkünden, dass die Klimaerwärmung fast gänzlich auf menschliches Handeln zurückzuführen ist. Dies zeigt, dass die Wissenschaftler noch Arbeit vor sich haben, damit ihre Botschaft ankommt“, betont Rory Fitzgerald, Professor an der City, University of London und Verantwortlicher für den European Social Survey.

Spanien am stärksten über Energiekosten besorgt

Es ist keine wirkliche Überraschung: Die größten Sorgen machen sich die Europäer um die Kosten für Energie. 40 Prozent der befragten Personen bezeichnen sich in dieser Hinsicht als sehr oder extrem besorgt. Am stärksten beunruhigt sind die Spanier (70 Prozent) und die Portugiesen (68 Prozent), die sich auch wegen des Klimawandels die meisten Sorgen machen. Dagegen bereiten Energiekosten nur 15 Prozent der befragten Schweden, Isländer, Schweizer und Norweger Sorgen.

Durchschnittliche Individuelle Verantwortung

Bezüglich der Rolle der individuellen Verantwortung bei der Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels liegt auf einer Skala von 0 bis 10 (wobei 0 für "keine Verantwortung" und 10 für "sehr große Verantwortung" steht) der durchschnittliche Wert leicht über 5, also der Mitte. Rory Fitzgerald von der City, University of London kommentiert dies so: "Die von uns befragten Personen aus den verschiedenen europäischen Ländern neigen zu der Annahme, dass sie selbst nicht viel tun können, um die Veränderungen des Klimas abzuschwächen. Sie erwarten auch nicht, dass anderswo auf der Welt oder durch Regierungen die nötigen Maßnahmen ergriffen werden. Dieses Ergebnis ist wirklich beunruhigend: Es zeigt deutlich, dass Regierungen und Wissenschaftler Verantwortung übernehmen und der Öffentlichkeit zeigen müssen, dass effiziente Maßnahmen möglich sind und sie selbst dabei gefragt ist."

Am stärksten ist das Gefühl der Eigenverantwortung bei der Verringerung der Auswirkungen des Klimawandels in Frankreich vorhanden (Durchschnittswert 6,9); am schwächsten ist es bei den Tschechen und Russen (Durchschnittswert unter 4). Deutschland erzielt mit 6,6 den drittniedrigsten Wert, Italien belegt den siebten Platz von unten. Auf die Frage, ob sie ihren Energieverbrauch senken könnten, haben viele der befragten Personen geantwortet, dass sie sich dazu nicht in der Lage sehen, vor allem in Ungarn, in der Tschechischen Republik und in Russland. Es hat den Anschein, als hielten die Europäer es auch für wenig wahrscheinlich, dass eine Senkung ihres Energieverbrauchs zu einer Verlangsamung des Klimawandels führen könnte.

Die Verantwortlichen für die Befragung konnten feststellen, dass die Personen, die es für ihre Pflicht halten, selbst zu versuchen, den Klimawandel aufzuhalten, auch glauben, dass sie Energie einsparen können und damit einen Beitrag im Kampf gegen den Wandel leisten. Die Franzosen glauben am stärksten daran, ihren Energieverbrauch senken zu können (7,3 auf einer Skala von 0 bis 10). In Deutschland liegt der Durchschnittswert bei 6,4, in Italien bei 6.

Wie stark werden erneuerbare Energiequellen befürwortet?

Die Teilnehmer wurden nach ihrer Meinung zu der Menge an Strom befragt, die aus fossilen, nuklearen und erneuerbaren Energiequellen erzeugt werden sollte. "Wir konnten die interessante Feststellung machen, dass die befragten Personen sehr stark für die Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen und die Reduzierung der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern sind. Wie dieses Ziel erreicht werden soll - durch eine Besteuerung von fossiler Energie oder eine Förderung erneuerbarer Energie -, ist weniger klar", erklärt Rory Fitzgerald von der City, University of London.

Die stärkste Unterstützung bekommt die Solarenergie, die von 89 Prozent der Deutschen, 85 Prozent der Italiener und 82 Prozent der Franzosen befürwortet wird. Der europaweite Durchschnitt liegt bei 77 Prozent. Kohle und Kernkraft sind dagegen bei den befragten Personen als Erzeugungsquellen höchst unbeliebt; nur 10 Prozent sind der Meinung, dass diese Quellen genutzt werden sollten, um eine große oder sehr große Menge an Strom zu produzieren.

Wie stark werden umweltpolitische Maßnahmen befürwortet?

Der European Social Survey hat auch untersucht, wie die verschiedenen umweltpolitischen Maßnahmen angenommen werden, die den Klimawandel aufhalten sollen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung öffentlicher Gelder zur Subventionierung erneuerbarer Energie besonders positiv wahrgenommen wird; 76 Prozent der befragten Personen sind für die Politik. In Deutschland liegt der Anteil der Befürworter über dem Durchschnitt (84 Prozent), das Ergebnis in Frankreich entspricht dem Durchschnitt (76 Prozent) und in Italien unterstützen etwas weniger Menschen als im Durchschnitt die Finanzierung durch öffentliche Gelder (73 Prozent). Über die Hälfte der Befragten ist für ein Verbot des Verkaufs von Haushaltsgeräten mit niedriger Energieeffizienz, während nur fünf Prozent dagegen sind. Dagegen sind nur 30 Prozent der befragten Personen für eine Erhöhung der Steuern auf fossile Energie und 40 Prozent eher oder absolut gegen eine solche Politik.

Der Bericht mit dem Titel "Die Einstellung der Europäer zum Thema Klimawandel und Energie" (European attitudes towards climate change and energy) basiert auf den Angaben von 44.387 Personen aus 23 verschiedenen Ländern.

Quelle: UD/pm
 

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