Biodiversität

Kaspische Ölpipeline: Schaut die Umwelt in die Röhre?

In naher Zukunft soll über die Vergabe von Hermesbürgschaften für die geplante Baku-Tbilisi-Ceyhan Pipeline von Aserbaidschan in die Türkei entschieden werden. Im Vorfeld warnen die Nichtregierungsorganisationen urgewald, WEED und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) vor Gefahren im türkischen Teil der geplanten Ölpipeline.

04.12.2003

Ein ehemaliger Angestellter auf der BTC Baustelle in der Türkei berichtet über völlig unzureichenden Arbeitsschutz und mangelhafte Bauarbeiten an der Pipeline. Obwohl der Anstrich der Pipeline krebserregende Stoffe enthalte, trügen die Arbeiter beim Streichen keine Atemschutzmasken. Inspektionen von bereits zusammengebauten Pipelineteilen führten wegen der schlechten Ausführung dazu, dass sie komplett auseinander genommen und neu geschweißt werden mussten.

Da weitere Rohre bereits in die Erde gebracht und wieder zugeschüttet worden waren, konnte an der fraglichen Baustelle nicht der gesamte Pipelineteil auf seine Qualität überprüft werden. " Dass bei einer Pipeline, die bis zu 1 Million Barrel Öl am Tag transportieren soll, derartige Mängel auftreten, ist einfach haarsträubend", urteilt Regine Richter von der Umwelt- und Menschenrechtsorganisation urgewald. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung den Berichten nachgeht, bevor sie eine Bürgschaft für Zulieferungen zu dieser Pipeline erteilt."

Eine Ursache für die Missstände bei der Ausführung des Pipelinebaus sehen die Organisationen in dem Vertrag, den das BTC-Konsortium unter Führung von BP mit der türkischen Regierung abgeschlossen hat. Dieser sieht vor, dass die Türkei den etwa 1000 km langen Teil der Pipeline für eine knapp bemessene Pauschalsumme baut. "Mit einem solchen Vertrag setzt BP Anreize, den Bau der Pipeline möglichst billig zu gestalten und stiehlt sich aus der Verantwortung sowohl für die Umwelt als auch für Arbeitnehmerrechte ", bewertet Heike Drillisch von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation WEED.

"Wir fordern, dass sich die Bundesregierung bei der Entscheidung nicht hinter der Unterstützung des Projektes durch die Weltbank versteckt", erklärt Daniel Mittler vom BUND. "Die nun vorgebrachten Vorwürfe zeigen, dass die Weltbank mit ihrer Zustimmung zu dem Projekt zu optimistisch war."

Das sehen die Organisationen auch durch die Ereignisse in Georgien belegt: "Die ganze Routenführung der Pipeline verläuft durch politisch höchst unsichere Gebiete. In Aserbaidschan kam es nach den Wahlen zu Unruhen und in Georgien wurde sogar der Präsident gestürzt. Kein Klima, in dem man in einen Zankapfel wie eine Ölpipeline investieren sollte", so Richter.
Quelle: UD
 
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